Ferritin, Schilddrüse & DHT – Was Haarausfall verrät
„Plötzlich viel mehr Haare in der Bürste, dünneres Haar insgesamt – etwa 40 Prozent der Frauen in der Perimenopause machen diese Erfahrung. Es ist nicht eitel, das frustrierend zu finden. Es ist auch nicht unabwendbar."
Das hormonelle Ungleichgewicht: Androgene Verschiebung
Das Haar ist eine Art Sentinel des Hormonhaushalts. In der Perimenopause sinkt das Östrogen, aber das Androgen Testosteron und sein aktiveres Metabolit DHT bleiben relativ stabil – oder können sogar leicht ansteigen. Das führt zu einer Verschiebung des Östrogen-zu-Androgen-Verhältnisses, die direkt auf das Haarfollikel wirkt.
Bei genetischer Veranlagung (androgenische Alopezie) oder bei Frauen mit ausgeprägtem Androgen-Übergewicht kann dies zu verstärktem Haarverlust führen – nicht nur auf der Kopfhaut, sondern auch zu Haarwuchs an Gesicht und Körper. Das ist biologisch, aber nicht automatisch irreversibel.
Mein klinischer Blick
In meiner Praxis sehe ich immer wieder Frauen, die gedacht haben, sie müssten sich damit abfinden – und bei denen sich der Haarwuchs durch einfache Maßnahmen wie Schilddrüsen- und Eisenbehandlung wieder normalisiert hat. Das zeigt: Es lohnt sich, den Grund zu finden, nicht nur das Symptom zu akzeptieren.
Die häufig übersehenen Mitursachen: Schilddrüse und Eisenmangel
Hier liegt oft der Schlüssel. In der Perimenopause treten Hashimoto und andere Schilddrüsenerkrankungen häufiger auf – und Hypothyreose führt zu Haarausfall. Parallel dazu: Frauen mit starken Blutungen in dieser Phase entwickeln schnell einen Eisenmangel, auch wenn die Hämoglobin-Werte noch „im Norm" sind. Ein Ferritin unter 30 ng/mL führt zu Haarausfall.
Das Häufigste, was ich in meiner Praxis finde: eine Schilddrüse, die zwischen normal und krank schwebt (TSH erhöht, aber noch unter dem klassischen Grenzwert), kombiniert mit einem Ferritin im unteren Normal. Beides zusammen erklärt den Haarausfall vollständig.
Diffuser versus androgenetischer Haarausfall – Ein wichtiger Unterschied
Diffuser Haarausfall ist gleichmäßig über die ganze Kopfhaut verteilt und wird meist durch Nährstoffmangel, Stress oder Schilddrüsenprobleme verursacht. Er ist oft reversibel, wenn die Ursache behandelt wird.
Androgenetischer Haarausfall ist genetisch und konzentriert sich auf die Oberseite und den Scheitel (weniger am Hinterkopf). Diese Form spricht auf Nährstoffe allein oft nicht an, kann aber durch frühe hormonelle Intervention (Östrogentherapie) oder lokale Behandlungen verlangsamt werden.
Meistens sehe ich in der Perimenopause eine Kombination aus beiden – deshalb ist es so wichtig, zuerst die reversiblen Ursachen (Schilddrüse, Eisen, Vitamin D, Zink) zu beheben, bevor komplexere Maßnahmen erwogen werden.
Konkrete Maßnahmen – Was funktioniert
1. Schilddrüse korrekt testen und behandeln
TSH, freies T4 und T3, Peroxidase-Antikörper. Wenn die Schilddrüse unteraktiv ist, muss das behandelt werden – das ist nicht optional für den Haarwuchs.
2. Eisenhaushalt optimieren
Ferritin sollte für optimalen Haarwuchs über 70 ng/mL liegen. Wenn es niedrig ist, braucht es Eisensupplementierung (am besten mit Vitamin C, aufgenommen auf leeren Magen).
3. Mikronährstoffe: Biotin, Zink, Vitamin D
Biotin 2-5 mg täglich, Zink 15-25 mg, Vitamin D auf 40-60 ng/mL aufdosieren. Diese unterstützen die Haarfollikelgesundheit bei gleichzeitiger Schilddrüsen- und Eisenbehandlung.
4. Hormonelle Optionen
Eine transdermale HRT mit Östrogen kann den androgenetischen Haarausfall verlangsamen. Lokale Anti-Androgen-Therapien sind auch eine Option bei ausgeprägtem Verlust.
Red Flags - Wann Sie schneller handeln sollten
- Kreisrunder Haarausfall (Alopecia areata) – das ist eine Autoimmunerkrankung, die sofort behandelt werden muss
- Vernarbende Kopfhaut oder Kopfhautschmerzen mit Haarausfall – könnte auf eine andere Erkrankung hindeuten
- Akuter massiver Haarausfall innerhalb von wenigen Wochen ohne offensichtlichen Grund (Telogeneffluvium) – erfordert rasche Klärung
Wie ich Sie unterstütze
Ich beginne mit einem umfassenden Blutbild: Schilddrüse (TSH, fT4, Antikörper), Eisenmetabolismus (Ferritin, Serumeisen, TIBC), Vitamin D, Zink und ggf. Androgen-Status. Dann entwickeln wir gemeinsam ein Protokoll aus Supplementierung und, wenn nötig, hormoneller Unterstützung. Haarwachstum braucht Zeit – typischerweise 3-4 Monate, bis neue Haare sichtbar werden. Aber es lohnt sich, konsequent dran zu bleiben.